Nymphenburger Gespräche: Juden und Muslime in München

ABRAHAMS POST, Winter 2008/09, S. 13

Ungewöhnlich war nicht nur der Ort. Für ein Symposium, das in dieser Art noch nie zuvor stattgefunden hatte, kamen die NYMPHENBURGER GESPRÄCHE am 14.4. in die Mitte der Stadt. Der Große Sitzungssaal des Neuen Rathauses (Schauplatz auch der Symposien 'Reizthemen interreligiös' 2006 und 'Andalusien - Erinnerung an eine Utopie?' 2007) war einschließlich Empore gut gefüllt. Behandelt wurde der 'Beitrag der Religionen zur Entwicklung unserer Stadt heute und morgen', näherhin zum einen die Bilanz nach 18 Monaten 'Jüdisches Zentrum Jakobsplatz' und die Zukunftsvision eines 'Zentrum für Islam in Europa' zum anderen.

Als Hinführung referierte Dr. Andreas Heusler von Stadtarchiv über Standorte früherer Synagogen und der Autor dieser Zeilen über Moriskentänzer, welsche Hauben, Bavaria und Oktoberfest und deren - für Viele immer noch überraschende - muslimische Bezüge.

Dass als einer der beiden Hauptreferenten Marian Offman vom Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde und deren Vizepräsident gewonnen werden konnte, weiß man umso mehr zu schätzen, als gemeinsamen Veranstaltungen mit Muslimen teilweise noch mit erheblichen Vorbehalten begegnet wird. So mussten sich muslimische TeilnehmerInnen fragen lassen, ob sie denn vorhätten, in Deutschland zu bleiben. Auch die Frage nach der Sicherheit Israels wurde aufgeworfen, wiewohl sie von allen, die die Veranstaltung mittrugen, in keiner Weise zur Disposition gestellt wird. Benjamin Idriz, der auch in München gut bekannte Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, erinnerte daran, dass man von hier aus leider den tragischen Nahostkonflikt nicht lösen könnte, dass man aber auch nicht so lange warten wolle und solle, um in München unvoreingenommen aufeinander zu zu gehen. Mit seinen Plänen für eine Münchner Institution für europäischen Islam skizzierte er eine Chance, wie die Stadtgesellschaft die Herausforderungen des Zusammenwachsens bewältigen kann. Dass Marian Offman eindrucksvoll schildern konnte, wie es am Jakobplatz gelungen ist, jüdisches Leben in der Mitte der Stadt sichtbar zu machen und zugleich einen Ort der Begegnung und des Austausches zu verwirklichen, ist Grund zu großer Freude und macht Hoffnung.

(Stefan Jakob Wimmer)