Dialog als Verpflichtung

ABRAHAMS POST, Sommer 2010, S.23-24

Die Erfahrungen im Vorfeld waren nicht nur positiv. Eine hochkarätige Veranstaltung zu einem muslimischen Thema, mit einer islamisch orientierten Gruppe als federführende Mitveranstalter in der Residenz der bayerischen Könige – das weckte bei der für die Anmietung des prächtigen Max-Joseph-Saals zuständigen Mitarbeiterin der Residenzverwaltung schwerste Bedenken, die nur mit sehr viel Mühen nicht etwa ausgeräumt, aber doch dadurch überwunden werden konnten, dass ja auch kirchliche Gruppierungen, die Landeshauptstadt, die Volkshochschule, ein Lehrstuhl der Kath.-Theol. Fakultät der LMU, von den „dubiosen“ Freunden Abrahams ganz zu schweigen, zu den Mitorganisatoren der NYMPHENBURGER GESPRÄCHE gehören und S.K.H. Herzog Franz von Bayern auch wirklich der Schirmherr dieser Dialogplattform ist.

Umso erfreulicher verlief dann aber die Tagung selbst, ein ganztägiges, international besetztes Symposium „Muslimischer Aufbruch“, zur so genannten Gülen-Bewegung am 9.2.2010. Referenten aus Bayern und Preußen, Türken und Griechen, aus Russland und aus USA, Islamwissenschaftler, katholische Patres, Soziologen und Journalisten beleuchteten die Denkrichtung des türkischen Predigers Fethullah Gülen, von der sich eine weltweite in Bildung, Kultur und Medien aktive Anhängerschaft inspirieren und begeistern lässt. Wer es noch nicht wusste, konnte in dem mit 300 Teilnehmern voll besetzten Saal lernen, dass Islam, auch nach den Lehren von Gülen, eben doch mit Demokratie und den Wertevorstellungen westlicher Gesellschaften vereinbar ist. Und dass zum Selbstverständnis des Islam, den wir gewohnt sind, über Äußerlichkeiten wie Speise- und Bekleidungsvorschriften wahrzunehmen, Werte wie Aufrichtigkeit und Offenheit gehören, und dazu eine aus dem Koran herzuleitende Verpflichtung zum Dialog mit anderen! Dialog ist kein Luxus, den sich einige zur Freizeitgestaltung leisten, sondern eine Grundpfeiler religiöser Lebensgestaltung, ein Anspruch Gottes an das Menschsein, dem wir alle gerecht werden müssen, im Interesse unserer gemeinsamen Zukunft im 21. Jahrhundert. Ein herzlicher Dank geht an unsere Freunde vom Interkulturellen Dialogzentrum München IDIZEM, von denen nicht nur die Initiative zu dieser beeindruckenden Veranstaltung ausgegangen war, sondern die auch mit staunenswertem Einsatz die Hauptlasten der Vorbereitung und Organisation trugen. Ein Teilnehmer aus Berlin drückte seine Anerkennung in deutlichen Worten aus: „Das Symposium war das professionellste Programm, das ich jemals erlebt habe. Das Team und die Zusammensetzung der Nymphenburger Gespräche, und der vertrauensvolle Umgang miteinander, sind beneidenswert…“ .

(Stefan Jakob Wimmer)